Posted by: let | November 23, 2007

Freunde

Seine Freunde sind bei ihm. Alte Herren wie er, teilweise noch älter. Und sein bester Freund sitzt links von ihm und streichelt seine taube Hand. Vater kann sich kaum mehr halten in seinem Rollstuhl, aber zurück ins Bett will er nicht, solange seine Freunde da sind.

Das alljährliche Weihnachtsessen hat sein bester Freund abgesagt. Ohne meinen Vater, sagte er, könne er nicht feiern und werde keinen Bissen herunterbringen. “Wir haben es auf Januar verschoben”, sagt er in diesem Augenblick und hält die Hand meines Vaters.

Vater versucht etwas zu sagen, doch keiner kann ihn verstehen. Da bringt ihm sein bester Freund Kuli und Zettel: “Schreib es auf.” Und er, zusammengesackt in seinem Rollstuhl mit müdem Blick, schreibt. Flink und flüssig: “Die geraden Zahlen sitzen.”

Wenig später bringen wir ihn zurück ins Schlafzimmer. Jeder will helfen. Sanft packen wir ihn ins Bett. Er ist sehr erschöpft und schläft sofort ein.

Ein Anruf genügt, sagen sie meiner Mutter, und sie sind zur Stelle. Sie weiß, dass sie sich auf das Wort der alten Herren verlassen kann.

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